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Das Maya-Reich
Das extrem uneinheitliche Land umfaßt fünf große geologische Zonen: das Kalkstein-Plateau von Yucatan, die Gebirge Zentral-Guatemalas, den Vulkangürtel im Süden Guatemalas, die Niederungen am Pazifik und die Ebene von Peten, Chiapas und Tabasco. Entsprechend dem unterschiedlichen geologischen und ökologischen Ambiente der Küsten mit ihren jahreszeitlichen Überschwemmungen, der tropischen Regenwälder, der Viertausender und jener Gebiete, die einen Niederschlag zwischen 570 und 3000 mm im Jahr verzeichnen, war die Vegetation ungewöhnlich vielfältig. Es gab einen Fernhandel mit Obsidian, Jade und Muscheln. Zwischen 300 und 900 n. Chr., dem Höhepunkt der Maya-Kultur, lief er über zwei Haupt-Handelsrouten: eine über Land, die andere zur See entlang der karibischen Küste. Erst der neueren Forschung gelang es, die Embleme der einzelnen Maya-Städte, Namen und Geschichte ihrer Herrscher in Maya-Glyphenschrift zu entziffern.
Von den Niederungen Yucatans bis in die Berge von Honduras erstreckt sich das Land der Maya, aber ein gemeinsames Reich gründen sie nie. Zu Zehntausenden leben sie in Stadtstaaten, die häufig in erbittertem Krieg miteinander liegen. Ihre Gelehrten aber erkunden den Kosmos, erfinden eine Schriftsprache und erschaffen gigantische Bauten.
UM 300 v, CHR. Wagen die Maya den gewaltigen zivilisatorischen Sprung vom Dorf zur Stadt. Wahrscheinlich sind es die den fruchtbaren Böden abgerungenen reichen Maisernten. die es immer mehr Menschen erlauben, sich am gleichen Ort niederzulassen. Die Siedlungen wachsen, und die Gesellschaft wird komplexer. Zwar stellen noch immer Bauern die große Mehrheit des Volkes, doch ernähren sie nun viele Spezialisten: Handwerker und Künstler, Händler, Krieger, Adelige, Priester - und, der Sphäre des Menschlichen fast enthoben. einen König.
Es entwickelt sich eine gemeinsame Kultur. Die Maya errichten Monumentaltempel auf Pyramiden und rüsten ihre Toten für das Jenseits mit Grabbeigaben aus wie die alten Ägypter. Sie opfern Menschen, um die Götter zu versöhnen. Und ihre Priester deuten Vorzeichen wie die Auguren der Römer. Sie bemalen Schalen und Vasen aus Keramik, Skulpturen aus Stein und Ornamente aus Stuck. Sie bearbeiten Obsidian, den Glasfluss der Vulkane, Feuerstein, Schildpatt und grüne, beinahe durchsichtige Jade.
Sie erfinden eine Schrift, die nicht nur bildliche Hieroglyphen kennt, sondern auch abstrakte Zeichen. Sie verfassen Bücher auf geglätteter Baumrinde. stellen komplexe kalendarische und astronomische Berechnungen an und entdecken die Null. Und wie sonst vor allem die Babylonier, die Inder oder die Araber stoßen sie vor bis an die Grenzen der reinen Mathematik.
Aber ein gemeinsames Imperium kennen die Maya ebenso wenig wie Lasttiere für den Transport, wie Münzen und Metalle oder das Rad zur Fortbewegung. Selbst in der Zeit vom 4. bis zum 9. Jahrhundert n. Chr., der Periode ihres größten Glanzes, existiert nicht einmal eine Art von Föderation zwischen den Städten.
Es gab es nie ein einheitliches Reich der Maya.
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